Zukunft machen, 09.11.2016

Parkour-Run im Wasserkraftwerk

Parkour-Profi Amadei Weiland hat an einer ungewöhnlichen Location einen spannenden Run absolviert - in Deutschlands größtem Laufwasserkraftwerk in Iffezheim. Herausgekommen ist ein einmaliges Video voller Bewegungsenergie.

100% Bewegungsenergie durch Parkour-Profi AmadeiAmadei Weiland ist einer der bekanntesten Parkour-Profis Deutschlands. Auf seinem Youtube-Kanal hat er eine sehr große Fanbase, war 2008 bereits Parcouring Vize-Weltmeister und erhielt 2013 sogar den Laureus-Award. Immer auf der Suche nach neuen außergewöhnlichen und herausfordernden Parkour-Strecken hat Amadei Weiland Ende Oktober zwei Tage im Laufwasserkraftwerk der EnBW AG in Iffezheim verbracht – und gezeigt wie man Bewegungsenergie auf spektakuläre Weise einsetzen kann. Seine Moves hat er von einer Filmcrew aufnehmen lassen. Das Ergebnis: ein wirklich geniales Video. Wir haben beim Dreh die Chance genutzt um Amadei zu interviewen, um mehr über ihn, seine Leidenschaft für Parkour und wie er dabei seine Energien zielgerichtet einsetzt, zu erfahren. Viel Spaß beim Lesen!

Ist „Parkour“ für dich ein Sport oder eine Lebenseinstellung?

Amadei: Parkour ist ein sehr anspruchsvoller Sport, der einem körperlich, aber auch mental sehr viel abverlangt. Wenn man intensiv Parkour trainiert und immer wieder seine mentalen Grenzen überwinden muss, entwickelt man dadurch automatisch eine andere Einstellung zu vielen Aspekten des Lebens und eine andere Selbstwahrnehmung. Man kann also auf jeden Fall sagen, dass man durch den Parkour Sport mit der Zeit eine andere Lebenseinstellung bzw. Wahrnehmung der Umgebung bekommt. Es ist aber nicht so, dass man eine bestimmte Lebenseinstellung braucht, um damit anzufangen.

Was fasziniert dich so an Parkour?

Amadei: Das anspruchsvolle und abwechslungsreiche Training. Selbst nach 14 Jahren Training gibt es immer wieder neue Elemente oder Bewegungsabläufe, die ich noch nie gemacht habe und neu lernen muss/kann. Dazu muss man seine erlernten Fähigkeiten immer wieder aufs neue an die neuen Umgebungen anpassen und variieren. Dazu kommt noch, dass es keine festen Regeln gibt und man sich selbst kreativ ausleben kann.

Pakour-Läufer Amadei im Wasserkraftwerk Iffezheim

Wie bist du überhaupt zum Parkour gekommen?

Amadei: Über Jackie Chan Filme und Videos im Internet.

Gibt es „Parkoure“, vor denen du Angst hast bzw. hattest?

Amadei: Es gibt immer wieder kleinere und größere Challenges vor denen man Angst hat. Ohne diese Angst wäre der Reiz nicht mehr da. Es geht vor allem darum, immer wieder seine Grenzen zu verschieben/erweitern. Das können kleinere, technisch schwierige Sprünge sein oder komplette Strecken. Das ist immer wieder unterschiedlich.

Was war bisher dein krassester Parkour?

Amadei: Das lässt sich schwer sagen oder vergleichen. Manchmal sind kleine technische Abläufe schwieriger, als ein Sprung aus 4 Metern. Das ist auch sehr von der jeweiligen Tagesform abhängig.

Ist das kein gefährlicher Sport? Was war bisher deine schlimmste Verletzung?

Amadei: Wenn man achtsam trainiert, eine gute Selbsteinschätzung hat und gut auf seinen Körper hört, ist der Sport sehr sicher, da man keine Fremdeinwirkungen hat und alles was man tut, kontrollieren kann. Ich hatte bis jetzt kaum größere Verletzungen und noch nie einen Bruch. Das Schlimmste war in den 14 Jahren, die ich trainiere, mal ein Bänderriss.

Wie oft und vor allem was muss man trainieren, um Parkour zu können?

Pakour-Läufer Amadei im Wasserkraftwerk IffezheimAmadei: Der Sport ist so vielseitig und anspruchsvoll, dass man eigentlich schon 6 Tage die Woche und dann auch möglichst abwechslungsreich trainieren sollte. Fitness-Übungen, Koordinationstraining, Klettern usw. sind eine sehr gute Ergänzung zum Training der eigentlichen Parkour-Elemente.

Mal abgesehen von Aktion-Filmen, wie z.B. James Bond, wo Parkour-Auftritte immer mehr zunehmen, wo kann man denn sonst mal bei euch zuschauen? Gibt es irgendwelche Meisterschaften oder Veranstaltungen?

Amadei: Es gibt mittlerweile viele verschiedene Contests überall auf der Welt. Das wichtigste Medium für den Sport ist aber immer noch YouTube. Ich selbst habe das meiste mit Hilfe von YouTube-Videos gelernt, als ich angefangen habe. Mittlerweile gibt es zwar auch viele Vereine und Trainingsgruppen, trotzdem sind die Videos im Internet immer noch die Inspirationsquelle für fast alle, die mit dem Sport anfangen. Und selbst wir Profis tauschen uns viel über Videos im Internet aus und lernen so neue Tricks, die irgendwo auf der Welt neu entstanden sind.

Und wenn man das auch mal selbst ausprobieren möchte, wo kann man da denn hingehen?

Amadei: Man kann z.B. meine Tutorials auf YouTube anschauen (www.youtube.com/urbanamadei) und einfach raus gehen und anfangen. Wenn man aber erstmal lieber mit einem Trainer anfangen will, gibt es mittlerweile auch viele Angebote dazu. Am besten schaut man einfach auf Google was es in der Nähe für Angebote gibt.

100% Bewegungsenergie

Kann das jeder lernen? Das sieht so schwierig aus.

Amadei: Grundsätzlich kann es jeder lernen, wenn er/sie genug Motivation und Durchhaltevermögen hat. Es ist aber nicht wie Fußball spielen, wo es reicht, wenn man ein Mal im Monat eine Runde kicken geht und trotzdem einigermaßen das Tor trifft. Um z.B. eine Mauer zu überwinden braucht man erstmal eine gewisse Kraft. D. h. die ersten Wochen und Monate muss man erstmal eine gewisse Grundsportlichkeit aufbauen, weil viele Sachen sonst einfach nicht funktionieren. Erst dann kann man ernsthaft anfangen die verschiedenen Parkour Basics zu lernen.

Wo findest du persönlich dein Trainingsfeld?

Amadei: Das ist sehr unterschiedlich. Ich bin viel in der Welt unterwegs und suche überall nach neuen Trainingsspots. Aber hier in Berlin habe ich natürlich ein paar Stellen gefunden an denen man besonders gut trainieren kann. Dort gehe ich dann auch regelmäßig hin. Im Winter trainiere ich auch viel in ganz normalen Turnhallen und im Fitnessstudio.

Was war für dich persönlich dein größter Erfolg?

Amadei: Es gibt viele persönliche Erfolge durch den Sport, das können einzelne Tricks sein, die ich nach Jahren endlich geschafft habe oder größere Erfolge, wie der 2.  Platz bei der Weltmeisterschaft, das Erreichen eines Weltrekordes oder der Laureus Award den ich bekommen habe. Was ich aktuell als größten Erfolg sehe, weil ich die letzten Jahre einfach sehr viel dafür gearbeitet habe, ist der YouTube Play Award für das erreichen von 100.000 Abonnenten.

Wasserkraft ist 100% Bewegungsenergie – du selbst bist 100% Bewegungsenergie – wo siehst du da Parallelen?

Amadei: Da gibt es auf jeden Fall viele Parallelen. Speziell beim Wasserkraftwerk geht es ja darum die Bewegungsenergie des Wassers zu kontrollieren und aus dem normalen Fluss des Wassers in seiner natürlichen Umgebung (bei mir die Stadt) etwas neues zu schaffen und diese Energie umzuwandeln in Strom, mit dem sich so gut wie alles machen lässt, was Freiheit und Kreativität bedeutet, da wir diesen Strom z.B. nutzen können um damit Parkour Videos zu drehen und zu schneiden.

Beim Parkour bzw. Freerunning versuchen wir auch unsere Bewegungsenergie (beim Rennen und durch die Fliehkräfte) zu kontrollieren und zu bündeln, um damit kreativ werden zu können und z. B. Salti, weite Sprünge usw. machen zu können. Sowohl bei der Wasserkraft, als auch beim Parkour und Freerunning wird also die natürliche Bewegungsenergie gebündelt und kontrolliert, um daraus etwas Neues zu schaffen ohne dabei den Fluss (Flow) zu unterbrechen oder zu zerstören.

 

Wer Amadei in Aktion erleben möchte, sollte sich hier unbedingt sein gelungenes Video von seinem Run durch das Wasserkraftwerk in Iffezheim anschauen.


 

Mehr Informationen zu den EnBW-Wasserkraftwerken findet Ihr auch auf unserer Homepage unter www.enbw.com/wasserkraft.

Schon gewusst? Der Ökostrom der EnBW kommt überwiegend aus süddeutschen Wasserkraftwerken. Alle Info’s zu den Tarifen findet ihr hier.